Forschung und Wissenstransfer

Grafik mit einem Mikroskop. Text: Forschung fördert uns. Wir fördern Forschung. Wir unterstützen praxisorientierte Forschungsvorhaben zur Stärkung des Engagements.

Engagementförderung und Forschung – Wie passt das zusammen? Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt möchte durch die Förderung von Forschungsvorhaben dazu beitragen, dass neues Wissen generiert und Forschungslücken geschlossen werden. Dieses Wissen soll der Engagementförderung nutzen.

Wie kann das gelingen? Die Forschungsprojekte sind praxisnah. Das heißt, sie werden direkt mit Beteiligten aus der Engagementpraxis durchgeführt. Diese Beteiligten können also direkt neue Erkenntnisse in die Praxis tragen. Weiterhin achten wir darauf, dass Studienergebnisse interessant und verständlich aufbereitet und durch verschiedene Maßnahmen des Wissenstransfers verbreitet werden. Zu guter Letzt nutzt die DSEE das Wissen, um neue und passgenaue Service – und Förderangebote zu entwickeln.

ANSPRECHPARTNERIN

Vivian Schachler
Forschung und Wissenstransfer

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Soziale Ungleichheit

Marginalisierung im Ehrenamt – Aufgabe für die Soziale Arbeit?
Hochschule Neubrandenburg

#DSEEForschungKompakt

Aikins, M. A.; Bremberger, T.; Aikins, J. K.; Gyamerah, D.; Yıldırım-Caliman, D. (2021): Afrozensus 2020: Perspektiven, Anti-Schwarze Rassismuserfahrungen und Engagement Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen in Deutschland, Berlin.

Was wurde untersucht? Im Afrozensus wurden erstmals mit besonderem Augenmerk Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Menschen in Deutschland zu ihren Lebensrealitäten und Diskriminierungserfahrungen befragt. Ein Teil der Lebensrealität umfasst auch das gesellschaftliche Engagement, welches in bisherigen Erhebungen nicht explizit für diese Bevölkerungsgruppe abgebildet wurde. In einem Mixed-Methods-Design, d.h. durch qualitative (Fokusgruppen und Interviews) sowie quantitative (Online-Befragung) Erhebungen, wurden insgesamt über 6.000 Menschen befragt. In die quantitativen Analysen im Bereich gesellschaftliches Engagement flossen Antworten von 5.625 Befragten ein.

Was sind die Hauptergebnisse? Die Engagementquote bei den Schwarzen, afrikanischen und afrodiasporischen Menschen in Deutschland liegt bei 46,8 %. Das bedeutet, dass sich knapp die Hälfte dieser Bevölkerungsgruppe freiwillig engagiert. Es fällt auf, dass die Engagementquoten – auch für die Menschen mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrungen – im Afrozensus zum Teil deutlich höher sind als die im Freiwilligensurvey. Vor allem im sozialen Bereich, in der außerschulischen Jugend- und Bildungsarbeit sowie im Bereich Kultur und Musik engagieren sich die Befragten. Aber auch in den Bereichen Politischer Aktivismus und Empowermentarbeit gibt es zahlreiche Engagierte. Besonders interessant ist, dass sich Personen mit niedrigerem Einkommen und Beeinträchtigungen tendenziell stärker engagieren. Dies erklären die Autorinnen und Autoren damit, dass ein freiwilliges Engagement innerhalb von Communities auch mit der Erfahrung von Solidarität, Vernetzung und Schutz einhergeht.

DSEE-Fazit: Der Afrozensus macht deutlich, dass das Engagement der Bevölkerungsgruppe der Schwarzen, afrikanischen und afrodiasporischen Menschen in Deutschland bisher völlig unterschätzt wurde. Community-Strukturen bilden die Grundlage für das gesellschaftliche Engagement dieser Bevölkerungsgruppe und sollten stärker unterstützt werden. Differenzierte Erhebungen sind notwendig, um das Engagement in den diversen Bevölkerungsgruppen zu erkennen und gezielter zu fördern.

Schlagworte: Schwarze Menschen, Lebensrealitäten, Communities
Link zur Studie: www.afrozensus.de

Schnetzer, S. & Hurrelmann, K. (2021): Jugend in Deutschland – Trendstudie Winter 2021/22. Eine Veröffentlichung von Simon Schentzer. Datajockey Verlag, Kempten.

Was wurde untersucht? In dieser repräsentativen Online-Befragung wurden 1.014 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 – 29 Jahren zu ihren Lebensumständen, u.a. auch ihrem gesellschaftlichen und politischen Engagement, in Pandemiezeiten während des Winters 2021 befragt. Ein Schwerpunkt der Engagementbefragung ist der Umwelt- und Klimaschutz. Es handelt sich größtenteils um deskriptive Querschnittsanalysen.

Was sind die Hauptergebnisse? 48 % der Befragten engagieren sich. 31 % der Befragten engagieren sich manchmal bis immer bei Aktionen zum Umweltschutz. 43 % der Befragten sind nie bei solchen Aktionen dabei. Politisch engagiert im Bereich Klima- und Umweltschutz sind 23 % der Befragten; 53 % nie.

DSEE-Fazit: Umweltaktionen, wie Bäume pflanzen, oder politische Aktionen, wie die Fridays for Future Veranstaltungen, haben in den letzten Jahren zugenommen und eine große Aufmerksamkeit erzielt. Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass die Strahlkraft des Umweltengagements Jugendlicher und junger Erwachsener bisher auf die Bereitschaft weniger zurückzuführen ist. Es gilt nun zu ergründen, wie mehr Jugendliche und junge Erwachsene für diese Form des Engagements begeistert werden können.

Schlagworte: Junge Generation, Corona, Umweltschutz
Link zur Studie: https://simon-schnetzer.com/jugend-in-deutschland-trendstudie-winter-2021-22/

Berbée, P.; Torres, K. G.; Barreto, C.; Lange, M.; Sommerfeld, K. (2021): Wir schaffen das! Zivilgesellschaftliches Engagement und die soziale Integration von Geflüchteten. Eine empirische Analyse für die Jahre 2016 bis 2019, in: ZEW-Kurzexpertise, Nr. 11.

Was wurde untersucht? Diese Kurzexpertise untersucht den empirischen Zusammenhang zwischen ehrenamtlichem Engagement vor Ort und der Integration von Geflüchteten mithilfe von repräsentativen Befragungsdaten. Als Ergebnisse werden verschiedene Dimensionen von sozialer Integration und Arbeitsmarktintegration aus der Perspektive der Geflüchteten betrachtet. Dazu wird die regionale Dichte von neu gegründeten Vereinen als Indikator für tatsächliches lokales Engagement von Geflüchteten verwendet.

Was sind die Hauptergebnisse? Ehrenamtliches Engagement trägt zur Integration von Geflüchteten bei: In Regionen, in denen ein hohes Engagement besteht (gemessen an Vereinsgründungen), sind Geflüchtete auf vielfältige Weise besser integriert als in Regionen mit niedrigem Engagement. Dies zeigt sich durch vermehrten Kontakt zu Deutsch sprechenden Personen und durch bessere Deutschkenntnisse.
Ehrenamtliche tragen auch dazu bei, Zugänge zu öffentlichen Hilfsangeboten und sozialstaatlichen Leistungen zu öffnen. So korreliert ein hohes Engagement bspw. ebenfalls mit der Sicherung von staatlichen Leistungen. „Frauen und Geflüchtete mit niedrigem Bildungsstand profitieren beim Spracherwerb besonders stark von engagierten Ehrenamtlichen vor Ort.“
DSEE-Fazit: Ehrenamt wirkt! Engagierte leisten einen essenziellen Beitrag für die Integration von Geflüchteten. Zudem ermöglichen sie Zugänge zu sozialstaatlichen Leistungen und sollten daher als wichtige Brückenbauende bei der Ausgestaltung von Hilfesystemen beachtet werden. Engagement ist eine wichtige Schlüsselkomponente für eine erfolgreiche Migrationspolitik. Die beiden Bereiche gilt es daher besser zu verzahnen.

Schlagworte: Soziale Integration, Migrationsforschung, Flüchtlinge
Link zur Studie: https://www.zew.de/fileadmin/FTP/ZEWKurzexpertisen/ZEW_Kurzexpertise2111.pdf?v=1637925716

Hoff, K.; Tahmaz, B. (2021): Corona-Porträts. Eine Typologisierung der Folgen der Coronakrise für die organisierte Zivilgesellschaft, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Hrsg.), Essen.

Was wurde untersucht? Zu sechs Befragungszeitpunkten wurden von April 2020 bis September 2021 sowohl qualitative als auch quantitative Erhebungen durchgeführt, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf zivilgesellschaftliche Organisationen und Infrastruktureinrichtungen zu untersuchen. Die Ergebnisse aller Befragungen zeigen, dass zivilgesellschaftliche Organisationen unterschiedlich stark betroffen sind und auch unterschiedliche Ressourcen haben, um mit den Veränderungen umzugehen. Diese Erkenntnisse sind in ausgewählten Porträts von Organisationen zusammengefasst. Sie bieten ein besseres Verständnis zum Umgang mit der Pandemie und halten für die einzelnen Organisationstypen Handlungsempfehlungen bereit.

Was sind die Hauptergebnisse? Größere Organisationen mit 50 bis 500 Mitgliedern, die in der Metropole aktiv und rein ehrenamtlich getragen sind, sind häufig in den Bereichen Sport und Kultur tätig. Mehr als ein Drittel dieser Organisationen haben zu Zeiten der Pandemie sogar Mitglieder gewinnen können. Ungeachtet dessen, hat der Einnahmerückgang, aufgrund nicht durchgeführter Veranstaltungen, diese Organisationen stark belastet. Ähnlich ist es mit den ehrenamtlich getragenen Organisationen derselben Größe auf dem Land. Wenngleich auch diese Organisationen starke finanzielle Einbrüche verzeichneten, haben lediglich 8% Liquiditätshilfen in Anspruch nehmen müssen.
Organisationen mit weniger als 50 Mitgliedern, die in der Stadt aktiv sind, haben ebenfalls einen geringen Mitgliederschwund erleiden müssen. Lediglich 5% haben ausschließlich Mitglieder verloren und keine gewonnen. Wirtschaftliche Einbußen verzeichnen allerdings 85% dieser Organisationen. Beim selben Organisationstyp, der allerdings in Metropolen tätig ist, sieht die finanzielle Situation etwas besser aus. Fast die Hälfte der Organisationen gibt an, dass sie Einnahmerückgänge haben, 30% mussten daraufhin einen Antrag auf Liquiditätshilfen stellen.
In einem weiteren Porträt wird die Situation von Organisationen aufgezeigt, die in der Stadt aktiv sind und von bis zu 50 Hauptamtlichen und bis zu 500 Ehrenamtlichen getragen werden. Mittlerweile können fast ein Drittel der Organisationen unabhängig von den Inzidenzen ihre Arbeit fortführen. Aber auch diese Organisationen erlitten finanzielle Not. 25% der Organisationen mussten Liquidationshilfen beantragen.

DSEE-Fazit: Die Corona-Pandemie hat ehrenamtliche Organisationen abhängig von ihrem Wirkungsradius und der Mitgliederzahl unterschiedlich stark getroffen. Je nach Typ müssen sich die Organisationen unterschiedlich intensiv mit Fragen der Nachwuchsgewinnung, Fragen rund um die Digitalisierung und Fragen nachhaltiger Finanzierung befassen. Unterstützungsangebote für Engagement-Organisationen sollten daher einen differenzierten Fokus mit Blick auf die Verortung und Größe der Organisationen haben.

Schlagworte: Corona, Pandemie, Engagement,
Link zur Studie: https://www.ziviz.de/sites/ziv/files/engagement-barometer_corona_befragung_2021-09_corona-portraets.pdf

#DSEEForschungKompakt

Aikins, M. A.; Bremberger, T.; Aikins, J. K.; Gyamerah, D.; Yıldırım-Caliman, D. (2021): Afrozensus 2020: Perspektiven, Anti-Schwarze Rassismuserfahrungen und Engagement Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen in Deutschland, Berlin.

Schlagworte: Schwarze Menschen, Lebensrealitäten, Communities
Link zur Studie: www.afrozensus.de

Schnetzer, S. & Hurrelmann, K. (2021): Jugend in Deutschland – Trendstudie Winter 2021/22. Eine Veröffentlichung von Simon Schentzer. Datajockey Verlag, Kempten.

Schlagworte: Junge Generation, Corona, Umweltschutz
Link zur Studie: https://simon-schnetzer.com/jugend-in-deutschland-trendstudie-winter-2021-22/

Berbée, P.; Torres, K. G.; Barreto, C.; Lange, M.; Sommerfeld, K. (2021): Wir schaffen das! Zivilgesellschaftliches Engagement und die soziale Integration von Geflüchteten. Eine empirische Analyse für die Jahre 2016 bis 2019, in: ZEW-Kurzexpertise, Nr. 11.

Schlagworte: Soziale Integration, Migrationsforschung, Flüchtlinge
Link zur Studie: https://www.zew.de/fileadmin/FTP/ZEWKurzexpertisen/ZEW_Kurzexpertise2111.pdf?v=1637925716

Hoff, K.; Tahmaz, B. (2021): Corona-Porträts. Eine Typologisierung der Folgen der Coronakrise für die organisierte Zivilgesellschaft, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Hrsg.), Essen.

Schlagworte: Corona, Pandemie, Engagement,
Link zur Studie: https://www.ziviz.de/sites/ziv/files/engagement-barometer_corona_befragung_2021-09_corona-portraets.pdf

Illustration des "Mach mit"-Magazins
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