Raus aus der Isolation – Freifunk als Wegbereiter zur digitalen Teilhabe in Alters- und Pflegeheimen

Die Freifunk-Community engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich an vielen Orten in Deutschland für einen freien Zugang zum Internet. Aktuell werden in Deutschland etwa 49.000 Freifunk-Knoten von mehr als 400 lokalen Gruppen betrieben. Seit Anfang 2021 kann Freifunk von den Finanzämtern als gemeinnütziger Zweck anerkannt werden.

Auf dem ersten #DSEEtalk haben wir gezeigt, welchen wichtigen Beitrag Freifunker:innen zur Lösung eines wichtigen gesellschaftlichen Problems leisten: Der digitalen Teilhabe im Alter – gerade in Alten- und Pflegeheimen.

Kontaktbeschränkungen treffen junge und ältere Menschen besonders

Isolation und Einsamkeit sind in Alters- und Pflegeheimen keine unbekannten Probleme. Durch die notwendigen Kontaktbeschränkungen der letzten Monate stellten sie sich aber noch einmal in besonderer Weise. Ohne flächendeckenden Zugang zum Internet war der Kontakt zu Familienangehörigen wenn überhaupt oft nur unter erschwerten Bedingungen möglich.

Auch wenn der Kontakt über digitale Medien kein Ersatz für Begegnungen von Angesicht zu Angesicht sein kann, können etwa Videotelefonate helfen Gefühle der Einsamkeit zu lindern. Aufgrund des nur sehr schleppenden Breitbandausbaus in Deutschland braucht es hierzu vielerorts alternative Lösungen. Engagierte Freifunker:innen nehmen sich seit vielen Jahren des Themas an und
leisten so einen entscheidenden Beitrag zu digitaler Teilhabe im Alter. Durch offene WLAN-Netze bietet der Freifunk auch dort Teilhabe, wo originär kein Netz zur Verfügung steht.

Mit Hilfe speziell vorkonfigurierter Router und Richtfunkantennen stellt Freifunk den Zugang zu vorhandenen Internetanschlüssen öffentlich zur Verfügung. Der „Freifunk-Router“ wird an einen ganz normalen Router angeschlossen und macht den Internetzugriff über ein eigenes  WLAN möglich. Da die Verbindung der Freifunk-Nutzer:innen über eine  gesicherte Netzwerk-Verbindung (VPN) hergestellt wird, bleiben die Daten des ursprünglichen Zugangs und des Freifunk Netzes vollständig getrennt.

Existierende Freifunk-Netze können jederzeit durch weitere Router ausgeweitet werden. Mittels Richtfunkantennen lässt sich die Reichweite dieser Netze derart erhöhen, dass auch Orte angebunden werden können, die keinen Internetanschluss für ein eigenes Freifunk-Netz zur Verfügung stellen können. So ist nicht nur die Erweiterung  von Haus zu Haus, sondern auch von Ort zu Ort möglich.

Durch die verschlüsselte Datenübertragung via VPN bleibt die Identität des ursprünglichen Internet-Anschlusses von außen nicht sichtbar. Da Freifunk Router zudem keine Daten aufzeichnen und so keine Rückverfolgbarkeit zum Endgerät möglich ist, ist der Freifunk ein pragmatischer Ansatz um Rechtsstreitigkeiten vorzubeugen und die Anonymität der Daten seiner Nutzer:innen zu gewährleisten.

Immer wieder berichten Freifunker:innen von mangelnder Bereitschaft der Betreiber:innen von Pflegeeinrichtungen, ihren Bewohner:innen ein offenes WLAN zur Verfügung zu stellen. Zudem scheuen Pflegeeinrichtungen häufig die Kosten, die mit der Bereitstellung von Internet einhergehen. Verschärft wird das Problem durch den nur schwachen Mobilfunkempfang in Alters- und Pflegeheimen.  Aus Brandschutzgründen werden Glasflächen wie Fenster beispielsweise metallbedampft, mit der Folge, dass Mobilfunksignale effektiv abgeschirmt werden. WLAN ist damit oft die einzige Möglichkeit, Zugang zum Internet zu ermöglichen. 

Die Erweiterung von Freifunk-Netzen scheitert häufig an ganz praktischen Dingen, wie etwa dem Zugang zu hohen Gebäuden, auf denen Richtfunkantennen aufgestellt und Freifunk-Netze so ausgeweitet werden können. Dementsprechend können Hauseigentümer und -verwaltungen Freifunk sehr einfach und pragmatisch unterstützen.

Als ehrenamtlich Engagierte brauchen Freifunker:innen Ansprechpartner:innen (beispielsweise Ehrenamtsbeauftragte oder Digitalbotschafter:innen), ihr Engagement sollte gerade vor ort deutlicher wahrgenommen und gewürdigt werden.

Die Freifunk Community ist dezentral organisiert, was es für Interessierte schwieriger macht mit Freifunker:innen in Kontakt zu kommen.
Ein zentraler Anlaufpunkt ist die Webseite Freifunk.net

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Philipp Berg
Referent Kompetenzzentrum
philipp.berg@d-s-e-e.de